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Marketers sind kreativ, unkonventionell und kommunikativ, häufig aber keine Genies in punkto Teamwork und Projektmanagement. Dabei wird der Alltag eines Marketingmanagers von Aufgaben bestimmt, die Struktur und Zusammenarbeit erfordern. Zum Beispiel bei der Ausarbeitung der Marketingziele, einem Produktlaunch oder der Organisation einer Veranstaltung. Marketing, Kollaboration und Projektmanagement gehören einfach zusammen.

Beispiel Lego: Früher produzierte man in der Hoffnung, dass der Handel die Produkte abnimmt, so Christian Korbes, damaliger Vice President Marketing bei Lego. Heute produziert Lego nah an der Kaufentscheidung. Die Marketingmitarbeiter beschäftigen sich zu gut 30 Prozent ihrer Arbeitszeit nicht mit Marketingkommunikation, sondern sitzen mit Logistikern und Sales-Vertretern zusammen, interpretieren Trends und „versuchen es zu schaffen, dass wir in unserem extrem trendabhängigen Business innerhalb von vier bis acht Wochen das produzieren, was der Konsument braucht“, so Korbes. Umsatzsteigerung kann ein wichtiger Grund für mehr Zusammenarbeit sein: „Mindestens 50 Prozent unseres Erfolges in den letzten fünf Jahren gründen auf Kollaboration“, gab Korbes an.

Natürlich gibt es noch weitere Gründe, warum sich Kollaboration lohnt:

1. Mehr Kreativität und Innovationen

Kollaboration erfordert erstmal Disziplin. Die Einschätzung, das Disziplin und Kreativität nicht zusammenpassen, ist schlichtweg falsch. Denn: Kreativität sprudelt nicht einfach heraus, sondern ist ein Prozess, der aus verschiedenen Phasen besteht. Besonders die kreative Zusammenarbeit im Team muss einem Prozessdenken unterliegen. Das Grundproblem jeder Zusammenarbeit ist die Tatsache, dass Menschen unterschiedlich ticken. Innerhalb einer Gruppe prallen verschiedene Denkmuster aufeinander. Es muss also immer wieder verhandelt werden, wie man vorgehen will. Das ist zeitraubend und auch häufig frustrierend, weil der ein oder andere mit seiner Meinung untergeht.

Wenn man allerdings klare Regeln definiert und Prozesse standardisiert, dann ziehen alle an einem Strang und können ihre Kreativität, voll und ganz einbringen. Aber Vorsicht: Strukturen zu etablieren und Prozesse zu standardisieren ist nicht gleichzusetzen mit einem Höchstmaß an Bürokratie und Lösungen nach Schema F. Das zeigen viele Beispiele aus der Praxis. Das Unternehmen „die Ideeologen“ hat gemeinsam mit dem Lehrstuhl für strategisches Management der HHL (Leipzig Graduate School of Management) die weltweit innovativsten Unternehmen untersucht und nach deren Corporate Creativity gefragt. Ein Exzess an formalen Strukturen und Prozeduren wurde hier als einer der typischen Kreativitätskiller identifiziert. Die Herausforderung bestehe nicht nur darin, Prozesse zu gestalten, sondern Menschen zusammenzubringen, die erstklassig zusammenarbeiten.

Beispiel Nike: Neue Ideen und Konzepte werden vom Management in sogenannten „Sandbox-Meetings“ entwickelt. Diese werden anschließend an ein Produktionsteam weitergeleitet, welches aus drei Mitarbeitern besteht: Einem Designer, einem Ingenieur und einem Marketingexperten. Dieses Team wiederum entwickelt die Grundzüge des Projektes. Stehen die ersten Konzepte, kommen Industriedesigner, technische Designer und Grafiker hinzu.

Nike setzt bei seinen Innovationsprojekten also auf kleine Teams, die schnell denken, kommunizieren und handeln. Auch dies ist nur ein Beispiel von vielen, wie man Zusammenarbeit gestalten kann. Es zeigt, dass Kollaboration ein Umdenken auf allen Ebenen erfordert. Wichtig ist dabei, einen Weg und Strukturen zu finden, die gut zu euch passen.

team football Kollaboration

2. Mehr Wissenstransfer und Flexibilität

Bis erste Projekterfolge erzielt werden, fallen so manche Marketingexperten häufig über mehr oder weniger große Stolpersteine. Um darüber hinwegspringen zu können, ist neben Elan vor allem Teamgeist und gute Kommunikation erforderlich. Besonders bei der Kommunikation kommt es allerdings schnell zu Missverständnissen. Ob Agenturen, Freelancer oder digitale Nomaden: Marketingabteilungen arbeiten vielfach mit externen Dienstleistern zusammen und müssen vermehrt über Ländergrenzen hinweg miteinander kommunizieren. Durch zunehmende Internationalisierung verändern sich die Erfolgsfaktoren im Projektmanagement.

Die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) hat sich 2015 in einer Studie intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Projektparameter die den internationalen Aspekt eines Projektes charakterisieren sind demnach unter anderem die Mehrsprachigkeit und der Zeitfaktor. Die Überbrückung der Entfernung zwischen den einzelnen Teammitgliedern benötigt Zeit bzw. Abstimmungsaufwand wegen der Zeitverschiebung. Daher sei es wichtig, so die Herausgeber der Studie, internationale Projekte frühzeitig und detailliert vorzubereiten. Eine starke Kollaboration ist zudem wichtig, da sie einen optimalen Informationstransfer sicherstellt und eine flexible Zusammenarbeit unabhängig von Zeit, Ort und Endgerät ermöglicht.

Tools können hierbei helfen: Oft nutzen Unternehmen eine Mischung aus Google Hangouts, Slack, klassische E­Mails, die Projektverwaltung Trello oder Dropbox. Das ist sicherlich kein Schema für alle Fälle. Denn um Zusammenarbeit vorantreiben und Effizienz zu steigern, kann es sinnvoll sein, viele spezialisierte Tools in einer Software abzubilden. So kommt es zu weniger Reibungsverlusten: Emails landen nicht im Spamfilter oder die Dateien sind nicht bei allen Projektbeteiligten auf dem aktuellen Stand. Ein Tool, das diese Produktivitätsfallen umgeht, ist zum Beispiel Marketing Project Management.

3. Mehr Spaß

Funktionierende Zusammenarbeit lässt Teams effektiver arbeiten und schafft gemeinsame Erfolgserlebnisse. Diese schweißen dich mit deinem Unternehmen und deinen Kollegen zusammen. Es entsteht ein echtes Wir-Gefühl, das dazu anspornt, das Maximum aus Projekten herauszuholen.

Beispiel Google: Der Suchmaschinenriese legt großen Wert auf eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern aus unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens. Jeder teilt, was er hat. Man stellte fest, dass sich eine besondere Innovationskraft aus der Kombination von drei Faktoren ableiten lässt: Entdeckung (Lernen), Zusammenarbeit und Spaß. Google merkt, dass die Zeit, die Mitarbeiter in ihren Cafés verbringen zur Verstärkung der Zusammenarbeit genutzt wird. Das „Managen von Spaß“ kann der ein oder andere vielleicht entbehren, es weist aber viel darauf hin, dass es ein wichtiger Faktor in puncto Unternehmensattraktivität, Mitarbeiterbindung und -zusammenarbeit ist.

Auch die wissenschaftliche Forschung hat sich bereits mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt und belegt, dass das Wir-Gefühl viel mehr ist als Kuschelmentalität. Die Autoren der 2015 veröffentlichten Studie „Die neue Wir-Kultur – wie Gemeinschaft zum treibenden Faktor einer künftigen Wirtschaft wird“ haben hervorgehoben, was das Gemeinsame für Unternehmen bedeutet und Kooperation und Kollaboration als Schlüsselfaktoren für den Unternehmenserfolg identifiziert. Zusammenarbeit ist eine mögliche Antwort auf die Frage, wie mit steigender Komplexität umgegangen werden kann.

Durch gute Zusammenarbeit wird der Stress reduziert, die Arbeit fällt auch in heißen Phasen leicht und es entstehen mehr Freiheiten für dich und alle Beteiligten. Unterm Strich sind alle ein gutes Stück zufriedener und glücklicher. Kollaboration ist weit mehr als ein notwendiges Übel. Es ist das Mittel schlechthin gegen Frust, Langeweile und Arbeit in Silos.

Rechtsprofessor Jim Tamm erzählt sehr unterhaltsam von Kollaboration unter Hühnern(!) – und Menschen können davon viel lernen!