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Agentic Search: Wie KI Agenten E-Commerce und Lead Generation verändern

Illustration einer KI‑basierten Produktsuche mit Texteingabe, Suchergebnissen für Sofas, Preisen und Bewertungen.

Stell dir vor, du gibst einer Agentic AI den Auftrag: „Finde mir ein graues L-Sofa, unter 1.500 Euro, mit guten Bewertungen und Lieferung innerhalb einer Woche.“ Keine weiteren Klicks, keine Preisvergleiche, keine lange Recherche mit zahlreichen offenen Tabs. Der Agent erledigt das – vollständig, eigenständig und zuverlässig. Was heute noch wie Science-Fiction klingt, ist in ersten Bereichen bereits Realität. Und es verändert gerade fundamental, wie E-Commerce funktioniert und wie Leads generiert werden.

Während Agentic Search den US-Markt mit solchen Szenarien bereits revolutioniert, bietet die verzögerte Entwicklung in Europa heimischen Unternehmen ein wertvolles, aber begrenztes Zeitfenster. Wer jetzt handelt, sichert sich als First Mover entscheidende Wettbewerbsvorteile, bevor der technologische Druck unausweichlich wird.

Inhalt

Agentic Search vs. traditionelle Suche

Wenn du heute bei Google nach einem Produkt suchst, siehst du eine Liste von Ergebnissen. Bei manchen Suchanfragen kommen bereits Ergebnisse über die KI-Übersicht oder du entscheidest dich, in den Tab mit dem „KI-Modus“ zu gehen. Beides – mitsamt den LLMs (Large Language Models) wie ChatGPT oder Gemini – ist bereits ein Hinweis darauf, dass ein Wandel in der Suche stattfindet. Dennoch ist die Suche an sich noch nicht fundamental verändert – noch nicht. Du klickst, vergleichst, entscheidest. Du triffst die Entscheidungen – die Suchmaschine liefert dir nur Optionen – wenn auch teilweise bereits sehr gut aufbereitete.

Agentic Search funktioniert anders: Hier übernimmt ein KI-Agent nicht nur die Suche, sondern auch die Bewertung, den Vergleich und – in manchen Fällen – sogar die finale Entscheidung oder den Kauf. Der Mensch gibt eine Zielvorgabe, der Agent handelt.

Das klingt erst einmal wie eine Erweiterung von dem, was wir kennen. Ist es aber nicht. Es ist ein grundlegender Paradigmenwechsel – weg vom Menschen als aktivem Entscheider, hin zum Menschen als Auftraggeber.

Dabei müssen Unternehmen diese Technologie nicht mehr zwingend selbst entwickeln: Während komplexe Eigenbauten noch große IT-Projekte erfordern, stehen spezialisierte “SaaS-Agenten” (Software as a Service – also fertige Cloud-Software zum Mieten) in den USA für Aufgaben wie Preisverhandlungen oder das Sourcing bereits als Lösungen bereit. Der Fokus verschiebt sich damit vom Programmieren hin zum strategischen Konfigurieren digitaler Experten. In Europa hingegen wird dieser Wandel voraussichtlich etwas verzögert ankommen: Hier fordern die DSGVO und der EU AI Act erst einmal einen wasserdichten Rahmen für Datenschutz und Haftung, bevor Agenten im großen Stil vollautonom handeln dürfen. Die technologische Lösung ist also da, aber die regulatorischen Leitplanken bestimmen hierzulande das Tempo.

Was ist Agentic AI?

Agentic AI bezeichnet KI-Systeme, die eigenständig Aufgaben planen, ausführen und dabei auf externe Dienste, Websites oder APIs zugreifen können. Sie handeln nicht nur reaktiv (wie ein Chatbot), sondern proaktiv: Sie setzen Ziele um, treffen Zwischenentscheidungen und verfeinern ihr Vorgehen Schritt für Schritt, bis das Ziel erreicht ist.

Bekannte Beispiele sind: OpenAI’s Operator (in den USA), Anthropic’s Claude mit Tool Use, Googles Project Astra. Diese Agenten können selbstständig Websites besuchen, Formulare ausfüllen, Produkte vergleichen – oder Leads qualifizieren.

Agentic Commerce – Der Bot als neuer Kunde im E-Commerce

Die Frage, wer eigentlich bei dir einkauft, wird in Zukunft nicht mehr so einfach zu beantworten sein. Denn im Agentic Commerce verschiebt sich die Antwort gerade grundlegend: Immer häufiger ist es kein Mensch, der direkt mit deinem Shop interagiert – sondern sein Agent. Das gilt für den schnellen Privatkauf genauso wie für komplexe B2B-Beschaffungsprozesse, bei denen ein KI-System Angebote sichtet, vergleicht und vorsortiert, bevor ein Mensch überhaupt involviert wird.

Das hat weitreichende Konsequenzen – in zwei Bereichen besonders:

  • Lead-Generierung: KI-Agenten qualifizieren Anbieter bereits vor, bevor ein echtes Verkaufsgespräch stattfindet. Wer in dieser Vorauswahl nicht auftaucht, kommt für den potenziellen Kunden gar nicht erst in Frage – ganz egal, wie gut das eigene Produkt tatsächlich ist.
  • Personalisierung: Ein Agent kennt die Vorlieben, das Budget und die Prioritäten seines Nutzers genau. Er filtert Angebote nicht nach Gefühl, sondern nach Datenlage – und das gnadenlos. Wer die Kriterien nicht erfüllt oder sie zumindest nicht klar kommuniziert, fällt raus.
Vergleichsgrafik zwischen traditionellem E‑Commerce und Agentic Commerce mit unterschiedlichen Schritten vom Nutzer‑Input bis zum Kaufabschluss.
Agentic Commerce im Vergleich zu traditionellem E‑Commerce: Von der linearen Produktsuche mit Medienbrüchen hin zu KI‑gestütztem Direktkauf in einer Anwendung.
„Im Grunde spricht dann Agent mit Agent – und nicht mehr Mensch mit Content.“

Für Unternehmen bedeutet das: Der erste Eindruck wird nicht mehr von einem Menschen gemacht, sondern von einer Maschine bewertet. Ob dein Produktfoto ansprechend ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, ob deine Inhalte strukturiert, vollständig und maschinenlesbar sind – sodass ein Agent sie verarbeiten kann und die Marke an allen digitalen Touchpoints konsistent repräsentiert.

Agentic Commerce – in den USA bereits die Gegenwart

Dass der Einkauf durch autonome Agenten keine Zukunftsmusik mehr ist, zeigen aktuelle Entwicklungen in den USA. Hier haben führende Unternehmen den Übergang von der rein menschlichen Interaktion hin zu Systemen, die eigenständig Entscheidungen treffen und Transaktionen finalisieren, bereits vollzogen:

Walmart (B2B – Autonome Verhandlung)

Walmart nutzt KI-Agenten der Firma Pactum, um den Einkauf bei über 100.000 „Long-Tail“-Lieferanten zu skalieren. Da es ein enormer Aufwand ist, tausende Kleinstverträge jährlich nachzuverhandeln, übernimmt die KI diese Aufgabe. Sie führt textbasierte Verhandlungen über Preise und Zahlungsziele in Echtzeit. Das Ergebnis: In über 70 % der Fälle erzielt der Agent erfolgreiche Abschlüsse, was Walmart massive Effizienzgewinne und optimierte Cashflows beschert.

Klarna (B2C – Autonomer Checkout)

Im Endkundenbereich fungiert Klarna als persönlicher Shopping-Concierge. Über das „Agentic Commerce Protocol“ agiert die KI als Stellvertreter des Nutzers. Anstatt selbst Shops zu durchsuchen, gibt der Kunde nur noch eine Intention vor (z. B. „Kauf mir ein nachhaltiges Sport-Outfit unter 200 €“). Der Agent vergleicht Angebote, prüft Verfügbarkeiten und führt den Kauf mittels sicherer Zahlungs-Token (z. B. via Stripe) autonom aus. Der klassische Webshop-Besuch wird durch eine delegierte Transaktion ersetzt.

Lead-Generierung im Zeitalter von Agentic Search

Auch im B2B verändert sich gerade viel. Lead-Generierung basierte lange darauf, potenzielle Kunden über Google-Suche, LinkedIn-Ads oder Content Marketing auf die eigene Website zu bringen – und sie dort zu einem Formular zu führen.

In einer Welt mit Agentic Search läuft dieser Prozess anders ab: Ein KI-Agent, der im Auftrag eines Unternehmens nach geeigneten Softwarelösungen sucht, wird nicht einfach auf deiner Website landen und sich durch deine Menüstruktur klicken. Er wird gezielt nach strukturierten Informationen suchen – Preismodellen, Integrationen, Anwendungsfällen, Kundenbewertungen.

Wer dort nicht auffindbar ist, weil die eigenen Inhalte nicht für Agenten optimiert sind, fällt schlicht aus dem Auswahlprozess heraus. Bevor der Mensch überhaupt involviert wird. Das bedeutet, dass auch in der Lead-Gen die KI-Agenten zu ultimativen Gatekeepern werden. Sie filtern Anbieter vor, bevor ein Mensch überhaupt die Website besucht.

Vertrauen und Datenqualität: Die kritischen Erfolgsfaktoren

Vertrauen ist in Agentic Commerce gleich doppelt wichtig: Einerseits müssen Konsumenten darauf vertrauen, dass ein KI-Agent in ihrem Sinne handelt. Andererseits müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre Daten korrekt und verlässlich sind – denn Agenten treffen Entscheidungen auf Basis dieser Daten.

Das ist kein theoretisches Problem. Wenn ein Agent auf Basis falscher oder missverständlicher Produktinformationen eine Kaufentscheidung trifft, kann das rechtliche und reputationsbezogene Konsequenzen haben. Klare Freigabeprozesse und eine zentrale, versionierte Quelle aller Produktinhalte sind daher keine optionalen Features mehr, sondern elementare Voraussetzung.

Michael Kräftner bringt es auf den Punkt:

„AI-generierter Content ist keine Wegwerfware – er muss freigegeben, dokumentiert und als System of Record geführt werden.“

Damit KI-Agenten präzise Entscheidungen treffen können, müssen Teams Inhalte nahtlos erstellen und abstimmen. Eine effiziente Content Collaboration stellt sicher, dass nur verifizierte Informationen den Agenten erreichen. Das technische Fundament hierfür bildet eine ganzheitliche Content Supply Chain Plattform, die als „System of Record“ alle Assets zentral verwaltet und versioniert.

Illustration der Content Supply Chain mit den Phasen Erstellen, Organisieren, Verteilen und Analysieren von Inhalten im Digital Asset Management.
Die Content Supply Chain im Digital Asset Management: Inhalte erstellen und freigeben, finden und organisieren, verteilen und integrieren sowie Performance analysieren.

Wie du für KI-Agenten sichtbar wirst

Die gute Nachricht: Du musst nicht alles neu erfinden. Aber du musst bestehende Prozesse anpassen. Hier sind die wichtigsten Hebel:

  • Strukturierte Daten konsequent nutzen: Schema.org-Markup, JSON-LD, klare Produktattribute – all das hilft Agenten, deine Inhalte zu verstehen.
  • Alt-Texte und Bild-Metadaten ernst nehmen: KI-Agenten „sehen“ Bilder nicht so wie Menschen. Sie brauchen beschreibende, informationsreiche Texte, die erklären, was ein Bild zeigt und warum es relevant ist.
  • Klare, maschinenlesbare Texte schreiben: Keine blumigen Marketingtexte, sondern präzise, faktische Beschreibungen mit konkreten Vorteilen.
  • GEO als eigene Disziplin etablieren: Generative Engine Optimisation ist nicht dasselbe wie SEO – aber es baut darauf auf. Wer jetzt beginnt, hat einen Vorsprung.
  • Content-Governance einführen: Wer AI zur Content-Erstellung nutzt, braucht klare Freigabeprozesse. Ein System of Record ist Pflicht, kein Bonus.
„Der entscheidende Faktor wird sein, dass Produkte nicht nur für Menschen, sondern für Agenten verständlich und bewertbar aufbereitet sind.“

Metadatenverwaltung im Digital Asset Management: Zentrale Anzeige von Asset‑Informationen, KI‑Tags, Sprachangaben und Lizenzdaten für Marketing‑Inhalte.

KI-Agenten „lesen“ keine Websites wie Menschen – sie konsumieren Datenströme. Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, müssen Produktdaten über saubere Schnittstellen zugänglich sein. Professionelle Application Integrations stellen sicher, dass Inhalte aus dem DAM direkt in die Kanäle fließen, die von KI-Agenten und Generative Engines bevorzugt ausgewertet werden.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Es wäre falsch zu sagen, Agentic Commerce ist schon überall Realität. Es wäre genauso falsch zu sagen, man könne noch warten. Der Wandel passiert – aber er passiert graduell. Und die Unternehmen, die jetzt beginnen, werden später einen klaren Vorteil haben.

Was du konkret angehen kannst:

  • Mach einen Audit deiner Produktdaten: Sind sie vollständig? Maschinenlesbar? Strukturiert? Oder lebst du noch von schönen Bildern und vagen Beschreibungen?
  • Prüfe deine Content Supply Chain: Wo entsteht Content? Wie wird er freigegeben? Wer ist verantwortlich, wenn KI-generierter Content fehlerhaft ist?
  • Fang mit GEO an: Es gibt erste Tools, die bewerten, wie gut eine Website für Generative Engines aufgestellt ist. Schau, wo du stehst.
  • Investiere in saubere Datenprozesse: Produktinformationen, die korrekt, vollständig und versioniert gespeichert sind, sind das Fundament von allem.

 

Der Übergang zum Agentic Commerce erfordert ein Umdenken in der Produktion. Unternehmen müssen Wege finden, wie sie ihre Content-Produktionskosten reduzieren und die Time-to-Market verkürzen, um die steigende Nachfrage nach maschinenlesbarem Content zu bedienen.

Wenn du tiefer in die strategische Umsetzung eintauchen möchtest, hilft dir unser ultimative Leitfaden für Content Supply Chain Management die organisatorischen Weichen für das KI-Zeitalter zu stellen.

Ausblick: Zuerst die USA, dann Europa

Agentic Search ist kein fernes Zukunftsszenario. Es ist eine Entwicklung, die gerade Fahrt aufnimmt – und die E-Commerce und Lead Generation grundlegend verändern wird. Man muss dazu nur auf unsere Nachbarn schauen – denn wie so oft bei technologischen Trends geben hier die USA den Trend an. Agentic Shopping-Szenarien werden dort bereits aktiv erprobt – von Reisebuchungen über Lebensmitteleinkäufe bis hin zu komplexen B2B-Beschaffungsprozessen.

Europa wird folgen, aber mit Verzögerung. Das hat strukturelle Gründe: strengere Datenschutzregulierung, andere Konsumgewohnheiten, langsamere Adoption neuer Technologien im Mittelstand. Gleichzeitig ist die Europäische Union mit dem AI Act dabei, Rahmenbedingungen zu schaffen, die auch für Agentic AI relevant sein werden.

Was das bedeutet: Europäische Unternehmen haben noch etwas Zeit – aber keine unbegrenzte. Wer heute beginnt, kann sich als First Mover positionieren, bevor der Druck von außen kommt.

FAQs zu Agentic Search, Agentic Commerce und Lead Generation

Was ist Agentic Search?

Agentic Search ist eine Weiterentwicklung der Suche, bei der KI-Agenten komplexe Anfragen eigenständig in Teilschritte zerlegen und Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführen. Statt nur Links zu liefern, führt das System proaktiv Recherchen durch, vergleicht Daten und präsentiert eine fertige Lösung oder Analyse.

Agentic Commerce beschreibt den automatisierten Handel, bei dem KI-Agenten im Auftrag von Nutzern oder Unternehmen autonom Einkäufe tätigen oder Preise verhandeln. Dabei interagieren die Agenten direkt mit Verkaufsplattformen oder anderen KIs, um den gesamten Prozess von der Auswahl bis zur Bezahlung ohne menschliches Klicken abzuwickeln.

Im Agentic Marketing übernehmen autonome Systeme die proaktive Steuerung von Kampagnen, das Lead-Management oder die Kundeninteraktion innerhalb festgelegter Ziele. Diese Agenten reagieren in Echtzeit auf Marktveränderungen und passen Strategien selbstständig an, anstatt nur vordefinierte Inhalte auszuspielen.

Ein Beispiel ist die Reiseplanung über einen KI-Agenten: Du nennst Ziel und Budget, woraufhin der Agent Flugverfügbarkeiten prüft, Hotelbewertungen filtert und einen kompletten Reiseplan inklusive Buchungsvorschlägen erstellt. Systeme wie Perplexity oder spezialisierte KI-Reiseassistenten arbeiten bereits nach diesem Prinzip.

In der Standardversion ist ChatGPT primär eine generative KI, die auf Fragen antwortet. Durch Funktionen wie „Actions“ oder den spezialisierten „Operator“-Modus kann es jedoch agentenbasierte Aufgaben übernehmen, indem es eigenständig externe Tools nutzt, um komplexe Ziele über mehrere Schritte hinweg zu erreichen.

Bekannte Beispiele sind autonome Coding-Agenten wie Devin, die Softwarefehler eigenständig finden und beheben, oder KI-gestützte Lieferketten-Manager, die Lagerbestände überwachen und selbstständig Nachbestellungen auslösen. Auch moderne Smart-Home-Systeme, die Energieflüsse proaktiv basierend auf Wettervorhersagen optimieren, zählen dazu.

Generative AI konzentriert sich darauf, neue Inhalte wie Texte oder Bilder zu erstellen und reagiert meist nur direkt auf einen Prompt. Agentic AI hingegen nutzt diese Intelligenz, um aktiv zu handeln, Pläne zu schmieden und Werkzeuge zu bedienen, um ein übergeordnetes Ziel eigenständig zu erreichen.

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